Seit 1968 beschäftigt sich Prof. Dr. med.Nossrat Peseschkian mit dem Konzept der Positiven Psychotherapie. Eine entscheidende Motivation zu dieser Arbeit lag für ihn darin, daß er sich selbst in einer transkulturellen Situation befindet. Als Perser lebt der 1933 im Iran geborene Arzt seit 1954 in Europa, wo er - nach Schule und Abitur in Teheran - in Freiburg, Mainz und Frankfurt am Main Medizin studierte. Seine psychotherapeutische Ausbildung hat Peseschkian in Deutschland und in der Schweiz bei Prof. Dr. med. Meng, (Begründer der Psychohygiene auf dem europäischen Kontinent), Prof. Dr. med. Battegay und Prof. Dr. med. Benedetti, (beide Psychiatrische Universitäts- und Poliklinik Basel), sowie in den Vereinigten Staaten absolviert. Er ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Seit 1969 hat er in Wiesbaden eine psychotherapeutische und psychosomatische Tagesklinik (KV-Zulassung für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie und Verhaltenstherapie).

Die von Nossrat Peseschkian begründete Methode der Positiven Psychotherapie (PPT) stellt eine effektive und moderne Kurzzeittherapieform dar.

Es handelt sich um ein tiefenpsychologisch fundiertes Verfahren mit der Besonderheit eines transkulturellen Ansatzes und eignet sich besonders zur interdisziplinären Zusammenarbeit.

Aufgrund seiner eigenen Lebenssituation wurde Peseschkian darauf aufmerksam, daß viele Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Einstellungen in Abhängigkeit vom Kulturkreis unterschiedlich bewertet werden, was oft zu Mißverständnissen führt. Sensibilisiert durch diese 'Grenzerfahrungen' konnte Peseschkian auch einen grundlegenden transkulturellen Unterschied in der Einstellung zur Krankheit feststellen; in vielen orientalischen Kulturen ist der Therapeut nicht primär für die Krankheit, sondern für die Erhaltung der Gesundheit zuständig, während im westlichen 'Gesundheitssystem' der Patient nur Anspruch auf Behandlung einer Krankheit hat (Peseschkian, 1991). Mit unterschiedlichen Denkweisen westlicher und östlicher Kulturen wurde Peseschkian aber auch auf religiösem Sektor konfrontiert: Von seinen Eltern im Glauben der Bahá'i erzogen, hatte er doch eine katholische Schule in Teheran besucht. Von der Toleranz der Bahá'i-Religion geprägt, stellte er sich die Frage, wie es zu den allgegenwärtigen Vorurteilen zwischen den Menschen kommen könne.

'Diese Erfahrungen und Überlegungen führten mich dazu, den Menschen - auch in der Psychotherapie - nicht nur als isoliertes Einzelwesen zu begreifen, sondern seine zwischenmenschlichen Beziehungen und - wie es seiner eigenen Entwicklung entspricht - seine "transkulturelle" Situation zu berücksichtigen, die ihn erst zu dem machen, was er ist' (Peseschkian, 1980).

Prof. Dr. med. Peseschkian ist seit 1978 Dozent an der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen und seit 1977 Leiter des Wiesbadener Weiterbildungskreises für Psychotherapie und Familientherapie (WIPF), dem die Wiesbadener Akademie für Positive Psychotherapie (WIAP) angeschlossen ist.

Mehr als 4600 Mitarbeiter des Gesundheitswesens (v.a. Mediziner, Psychologen und Sozialpädagogen) wurden seitdem in dem bundesweit anerkannten Verfahren der Positiven Psychotherapie ausgebildet.

1978 wurde die Deutsche Gesellschaft für Positive Psychotherapie (DGPP) gegründet. Das Internationale Zentrum für Positive Psychotherapie (IZPP) nahm 1996 seine Arbeit auf. Das IZPP koordiniert wissenschaftliche transkulturelle Untersuchungen und setzt sich für die weltweite Ausbildung und Verbreitung von Fachkräften in Positiver Psychotherapie ein. Zur Zeit bestehen in 25 Staaten Zentren für Positive Psychotherapie.